Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, in diesem olympischen Jahr keine weiteren Reisen nach London zu unternehmen, bis im Winter endlich einige neue Shows starten. Auch wenn ich dann schweren Herzens auf "Sweeney Todd" verzichten musste. Doch dann kam "The Duchess of Malfi" mit einer absoluten Traumbesetzung ins Old Vic und sämtlich guten Vorsätze gingen über Bord. London, here I come.
Natürlich habe ich dann auch bewusst den Mittwoch gewählt, um eine Matinee mitnehmen zu können, denn anders als in Deutschland, wo das "Besetzungs-Roulette" und die Chance die Erstbesetzungen zu sehen mittlerweile einer lächerlichen Farce gleichkommen, kann man in London doch recht sicher sein, dass die Leute auch spielen, die man sehen möchte. So standen dann auch Michael Ball und Imelda Staunton in der Mittwochs-Nachmittagsvorstellung von "Sweeney Todd" im gutgefüllten Adelphi Theatre erwartungsgemäß beide auf der Bühne.
Regisseur Jonathan Kent und Designer Anthony Ward haben Sondheims Horrorshow in die 30'er Jahre verlegt, was insgesamt sehr gut funktionierte. Ob die optische Gleichheit von Judge Turpin (John Bowe) und Beadle Bamford (Peter Polycarpou) so geplant war, weiß ich nicht – die beiden erinnerten mich leider eher an die beiden "Tintin"-Detektive Dupond und Dupont (Schultze und Schulze), aber das war auch schon der einzige negative Aspekt dieser ansonsten herrlich düsteren Inszenierung, die von bleichen Lampen, Nebel und Metall dominiert wird. Da ich bislang nur die Film-Adaption mit Johnny Depp und Helena Bonham-Carter kannte, die Tim Burton in seinem typisch überfremdeten Gothic-Stil gedreht hatte, war es für mich ein interessanter Vergleich, diese recht "normal" wirkende Bühnenversion zu sehen - und Hauptdarsteller, die wirklich singen konnten.
Natürlich habe ich dann auch bewusst den Mittwoch gewählt, um eine Matinee mitnehmen zu können, denn anders als in Deutschland, wo das "Besetzungs-Roulette" und die Chance die Erstbesetzungen zu sehen mittlerweile einer lächerlichen Farce gleichkommen, kann man in London doch recht sicher sein, dass die Leute auch spielen, die man sehen möchte. So standen dann auch Michael Ball und Imelda Staunton in der Mittwochs-Nachmittagsvorstellung von "Sweeney Todd" im gutgefüllten Adelphi Theatre erwartungsgemäß beide auf der Bühne.
Regisseur Jonathan Kent und Designer Anthony Ward haben Sondheims Horrorshow in die 30'er Jahre verlegt, was insgesamt sehr gut funktionierte. Ob die optische Gleichheit von Judge Turpin (John Bowe) und Beadle Bamford (Peter Polycarpou) so geplant war, weiß ich nicht – die beiden erinnerten mich leider eher an die beiden "Tintin"-Detektive Dupond und Dupont (Schultze und Schulze), aber das war auch schon der einzige negative Aspekt dieser ansonsten herrlich düsteren Inszenierung, die von bleichen Lampen, Nebel und Metall dominiert wird. Da ich bislang nur die Film-Adaption mit Johnny Depp und Helena Bonham-Carter kannte, die Tim Burton in seinem typisch überfremdeten Gothic-Stil gedreht hatte, war es für mich ein interessanter Vergleich, diese recht "normal" wirkende Bühnenversion zu sehen - und Hauptdarsteller, die wirklich singen konnten.
Michael Ball hat sich in den letzten Jahren beeindruckend entwickelt – nach vielen Jahren als Schmusesänger und Liebling der Frauen zunächst seine große Comedy-Rolle als Edna Turnbald und nun als blutrünstiger Horrorbarbier – alle Achtung! Mit Bärtchen und dunkler Haartolle kaum wieder zu erkennen, bietet er eine beeindruckende Leistung – fast schade, dass ihm die grandiose Imelda Staunton als Mrs Lovett so locker den Rang abläuft. Staunton hat schon mit dem preisgekrönten Film "Vera Drake" und ihren Auftritten als Dolores Umbridge in den Potter-Filmen gezeigt, dass kaum jemand es so gut beherrscht wie sie, die harmlose Mutti mit tiefschwarzen Abgründen zu verkörpern und ihre teilweise überdrehte, teilweise eiskalte Mrs Lovett war für mich der Star der Show. Zusammen mit Michael Ball auf jeden Fall ein grandioses Duo Infernale, neben denen alle anderen zwangsläufig verblassten, auch wenn vor allem Luke Brady als Anthony einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterließ.
Ab und zu hat das Stück einige Längen, doch insgesamt ist diese Fassung für mich eine absolut empfehlenswerte neue Inszenierung, die es sich alleine für die beiden Hauptdarsteller anzuschauen lohnt. Das bluttriefende Finale ist jedoch nichts für schwache Nerven. Zuletzt noch ein Tipp: Wie schon in englischen Foren debattiert wurde, ist die Bühne wirklich ziemlich hoch. Mehr noch: Viele wichtige Szenen finden auf einer erhöhten Plattform, die Sweeneys Arbeitszimmer darstellt, statt. Wer sich mit einem billigen Day Seat-Ticket in die erste Reihe setzt, muss sich wirklich auf Nackenstarre gefasst machen. Ich war letztendlich froh, dass ich mir dann doch eine Karte zum vollen Preis in Reihe D gegönnt hatte.