Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an das UCI Kinocenter in Hürth, das es schaffte, eine Konzertübertragung komplett zu versaubeuteln, indem es den 2.Akt zuerst ausstrahlte. Immerhn führte das zu einer Entschuldigung seitens der Kinobetreiber und Freikarten für eine andere Vorstellung, wodurch der exorbitante Eintrittspreis von 16 Euro für das Screening gemildert wurde.
Bei dieser Variante von Stephen Sondheims “Company” handelte es sich nun also um die konzertante Version der New Yorker Philharmoniker, die im letzten Jahr mit Neil Patrick Harris in der Hauptrolle in der Avery Fisher Hall aufgeführt wurde. Zu ihm gesellten sich Broadway-Stars wie Patti LuPone, Craig Bierko und Martha Plimpton, sowie Fernsehstars wie Jon Cryer, Christina Hendricks und Stephen Colbert. Es war dann auch die Besetzung, die mich nach langem Zögern dann doch überzeugte, mir das Ding im Kino zu geben, zumal eine DVD-Veröffentlichung derzeit nicht in den Sternen steht.
Leider ist “Company” für mich eines von Sondheims schwächeren Werken, das zwar einige großartige Songs enthält, aber eine reichlich einfallslose Geschichte, in der im Grunde nur um New Yorker Pärchenprobleme geht, wie sie seit der Uraufführung von “Company” in hunderten Filmen, Fernsehserien und Büchern durchgenudelt wurden – und das häufig wesentlich amüsanter, tiefsinniger oder bewegender als hier. So nervten mich die hier durchgekauten Problemchen eher, die vor allem auch dreißig Jahre nach Entstehung des Stückes reichlich altbacken wirkten.
Da half es gar nichts, dass wir zuerst den 2.Akt sahen, der eigentlich genau das enthielt was ich sehen wollte – Patti LuPone’s köstliches “The Ladies who lunch”, Neil Patrick Harris’ “Being Alive” und Christina Hendricks’ große Szene als Stewardess April, die zwar viele Kurven mitbringt, aber wenig zwischen den Ohren. Der später folgende 1.Akt zog sich dann auch reichlich zäh hin, mit als einzigem noch nennenswertem Highlight “Another hundred people” der unglaublich gut aussehenden, charismatischen Anika Noni Rose, die in meinen Augen längst eine große Hauptrolle am Broadway verdient hätte.
Neil Patrick Harris war als Hauptfigur Robert – jener Junggeselle, der seinen 35.Geburtstag feiert und von seinen längst verheirateten Freunden zur Ehe gedrängt wird – nicht schlecht, aber stimmlich habe ich da schon bessere gehört und alleine aufgrund der vielen Parallelen sah ich eigentlich nur Barney Stinson auf der Bühne und wartete jeden Moment auf eines seiner le-gen-dary!-Bonmots.
Der Rest der Darsteller war durchaus überzeugend, aber die Figuren nervten mich einfach zu sehr um das Talent von Leuten wie Katie Finneran oder Martha Plimpton zu schätzen. Auch Christina Hendricks blieb eher blass und so war es lediglich die große Broadway-Diva Patti LuPone, die jeden Cent des Tickets wieder wert machte mit ihrer großartigen Darstellung in der jedes Wort und jede Geste saß.
Insgesamt war es jedoch ein enttäuschender Abend – nicht nur wegen dem Bockmist, den das Kino baute. Die Live-Übertragung des 25th anniversary concert des “Phantoms” fühlte sich ganz anders an – man wusste, dass man live dabei war, dass es eine tolle Chance war auf diese Art live dabei zu sein ohne in der Royal Albert Hall zu sein, die Neugier und Spannung auf das Konzert hatte sich über Wochen aufgebaut und der Kinosaal war proppevoll. Hier verloren sich etwa 10 Personen im Kinosaal und es war eben letztendlich nur eine Konserve, die auf den Broadway-Foren im Internet schon im letzten Jahr ausgiebigst diskutiert wurde. Derartiges werde ich mir wohl in Zukunft lieber sparen und stattdessen auf eine DVD warten, die ich mir wenigstens ins Regal stellen kann.
Die DVD erscheint am 13.November: http://www.amazon.com/gp/product/B008SBXFXM/ref=as_li_qf_sp_asin_il_tl?ie=UTF8&camp=1789&creative=9325&creativeASIN=B008SBXFXM&linkCode=as2&tag=gn001-20
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